Das kleine große
Reservat
El Hierro gehört zu den Kanaren, liegt im äußersten
Südwesten Europas und ist somit die am weitesten
vom afrikanischen Kontinent entfernte Insel. Bis
zur Entdeckung Amerikas stellte sie das finis
terre oder «Ende der Welt» im Westen
dar.
Nur 278 Quadratkilometer groß, ist El Hierro
landschaftlich sehr abwechslungsreich. Das Spektrum
reicht von den ariden Lavafeldern und Vulkankegeln
des Südens und Westens über die dichten
Kiefern- und Lorbeerwälder in der Umgebung von
Jinama und Sabinosa bis zur fruchtbaren Hochebene
Meseta de Nisdafe und, weiter im Nordwesten, den
Plantagen und Rebbergen im Tal El Golfo.
Trotz seiner kleinen Grundfläche steigt die
Insel bis auf 1'500 Meter über Meer an. Höchster
Punkt ist der Pico Malpaso.
Anreise
El Hierro erreichen Sie nur
von einer der anderen Kanareninseln: von Teneriffa,
Gran Canaria und La Gomera mit dem Flugzeug oder
der Fähre, von
La Palma nur mit der Fähre.
Was das Straßennetz betrifft, gibt es neben
der Hauptstraße, die sämtliche Dörfer
der Insel erschließt, zahlreiche Nebenstraßen
und Forstpisten, die zu den Badegebieten an der Küste
hinab führen oder durch die artenreichen Wälder
verlaufen. Wer nicht selbst fahren möchte, kann
den Dienst eines der freundlichen Taxifahrer in Anspruch
nehmen, mit einem der kleinen, hier guaguas genannten
Busse von Dorf zu Dorf fahren oder sich seine eigenen
Routen zusammenstellen und die Insel in Ruhe mit
dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden.
Für welches Transportmittel Sie sich auch entscheiden
werden, wir möchten Sie herzlich einladen, das
Gebiet von La Dehesa zu besuchen, das von vielen
als einer der letzten Orte bezeichnet wird, an denen
man noch die absolute Freiheit und Ruhe in direktem
Kontakt mit der Natur erleben kann.
Natur und Besiedlung
Die Insel El Hierro kann als
Kontinent im Kleinformat bezeichnet werden. Als
geografische Miniatur, auf der die verschiedensten Ökosysteme dicht an
dicht liegen, was nichts anderes ist als der Ausdruck
einer auf einem einzigartigen geologischen Untergrund
entstandenen, äußerst üppigen Flora
und Fauna.
Es war dieser natürliche Reichtum, welcher
zu Beginn den Standort der Niederlassungen auf El
Hierro bestimmte. So entstanden im 15. und 17. Jahrhundert
auf der zentralen Hochebene, weitab des Meeres, La
Albarrada und Las Montañetas, die heute Teil
des historisch-paläontologischen Erbes einerseits
und des volkskundlichen Erbes andererseits sind.
Das Tal El Golfo wurde
erst später besiedelt,
indem die im Inselinnern lebenden Menschen hier kleine,
nicht ständig bewohnte Ortschaften einrichteten.
Zu diesen Weilern gelangte man noch bis vor knapp
vier Jahrzehnten nur mit dem Esel oder Maultier auf
den historischen Saumpfaden «Jinama» und «La
Peña» oder dem über die Cumbre
verlaufenden Bergweg. Diese Art der Fortbewegung,
beziehungsweise des Transports, wird auf El Hierro
mit dem lateinamerikanischen Wort für «Wechsel» oder «Umzug» als mudada bezeichnet.
Kultur, Feste und Kunsthandwerk
El Hierro kann sich rühmen, ein äußerst
reiches historisches und kulturelles Erbe mit zahlreichen
jahrhundertealten Bräuchen und Traditionen zu
besitzen, die kaum wo auf den Kanaren so gut erhalten
sind wie hier.
Auf die Urbevölkerung geht die Folkloremusik
mit ihren uralten Rhythmen und monotonen Melodien
zurück, die von riesigen Trommeln, pitos (primitive
Flöten) und chácaras (kleine
Kastagnetten) begleitet werden. Sie dürfen an
keinem der vielen kirchlichen Feste fehlen, die auf
El Hierro gefeiert werden, und von denen das wichtigste
die Bajada de la Virgen de los Reyes ist.
Die «Jungfrau der Heiligen Drei Könige» ist
die Patronin der Hirten und zugleich auch die Schutzheilige
der Insel. Alle vier Jahre wird sie von ihrer Kapelle
in La Dehesa nach der Inselhauptstadt Valverde getragen.
Die Prozession geht auf das Jahr 1741 zurück
und hat ihren ursprünglichen Bittcharakter bis
heute bewahrt.
Die Bedeutung, die das Kunsthandwerk und Feste von
hohem ethnografischem Wert, wie etwa die Fiesta
de San Simón, der Kreuztag, der Viehmarkt
von La Apañada und viele weitere mehr, auch
heute noch haben, ist durch die starke Verwurzelung
der Inselbewohner in ihrer natürlichen Umwelt
bedingt, die sie immer wieder zur Selbstversorgung
zwang und somit dazu, ihre Gerätschaften selbst
herzustellen, um überleben zu können.
Die letzte Alternative: der Tourismus
El Hierro hat sich in den letzten
Jahren zu einem Urlaubsziel entwickelt, das in
Sachen Outdoor-Aktivitäten
seinesgleichen sucht. Vor allem die im Süden
an das Fischschutzgebiet im Mar de las Calmas (Meer
der Stille) anschließenden Küstengewässer
sind außerordentlich artenreich. La Restinga
bietet eine Infrastruktur, die selbst die anspruchsvollsten
Taucher befriedigt. Hier findet jedes Jahr das prestigeträchtigste
Unterwasserfoto-Open Spaniens statt.
Für Gleitschirmpiloten stellt die Steilwand,
die das Tal El Golfo nach hinten abschließt,
einen idealen Startplatz dar, weshalb diese Sportart
eine beträchtliche Zahl von Urlaubern anzieht.
Paraglider sind Naturliebhaber, die sich für
die Erhaltung der Umwelt einsetzen und, wieder zu
Hause, die Werbetrommel für die Vorzüge
der Insel rühren.
Wandern kann man auf El Hierro
auf den vielen alten Wegen, die die Dörfer miteinander verbinden.
Diese, mit Trockensteinen gepflasterten Wege benutzten
die Inselbewohner noch bis vor wenigen Jahrzehnten,
um zu ihren Feldern zu gelangen oder ihren Wohnsitz
in Abhängigkeit der Jahreszeit zu wechseln.
Und es sind genau diese alten Wege und Pfade, die
im Zuge des Projekts TOURMAC, an dem sich die Inselregierung
von El Hierro beteiligt, wieder instand gesetzt und
signalisiert werden, damit sie von den Einheimischen
und Urlaubern problemlos benutzt werden können.
Auf Erd- oder Forstpisten und
auf Wegen, die sich hierfür eignen, kann man
die Insel auch bequem mit dem Mountainbike erkunden.
Wie auch immer Sie sich auf
der Insel bewegen, die vielen verschiedenen, immer
sauberen Landschaften und die kleinen, in der vulkanischen
Steilküste
versteckten und fast immer einsamen Badebuchten werden
Ihnen ein unvergleichliches Gefühl der Ruhe
und des Friedens verschaffen.
El Hierro ist eine Welt für sich, eine kleine
Insel, die es sich zum Ziel gesetzt hat, zur Referenz
für eine harmonische und ausgewogene Entwicklung
zu werden. El Hierro respektiert seine Geschichte,
verspricht sich aber einiges von der Zukunft, die
das 21. Jahrhundert für sie bereithält.
Zum Biosphärenreservat erklärt, gehört
dieser Flecken Kanaren nicht mehr nur den Inselbewohnern
sondern all jenen, die es für möglich halten,
dass eine großzügige Natur, der Respekt
vor den Traditionen und das Trachten nach Wohlstand
miteinander vereinbar sind. Kurzum, El Hierro ist
ein großes kleines Reservat.
| Homologierte
Wanderwege der Insel El Hierro |
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